Steigende Anforderungen an Rezyklate für sensitive Anwendungen beschleunigen die Weiterentwicklung moderner Kunststoffrecyclinglösungen. Auf der Plastics Recycling Show Europe vom 5. bis 6. Mai 2026 in Amsterdam zeigt Recyclingmaschinenbauer und Systemexperte EREMA, wie fortschrittliche Technologien und abgestimmte Prozessketten die Herstellung hochwertiger Regranulate für den Einsatz in anspruchsvollen Endprodukten ermöglichen.
Ansfelden, 30. April 2026 – Vor dem Hintergrund regulatorischer Vorgaben wie der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) gewinnen in Europa Recyclingtechnologien an Bedeutung, bei denen Entgasungsleistung, Geruchsoptimierung und Prozessstabilität im Fokus stehen. Gefordert sind Rezyklate für sensible Einsatzbereiche, sowohl für Food- und Cosmetic-Grade als auch für weitere Premium-Qualitätsstufen. Zur PRSE 2026 demonstriert EREMA, wie sich diese Anforderungen im industriellen Betrieb umsetzen lassen.
VOLEX weiterentwickelt: mehr Optionen bei höherer Entgasungsleistung
Mit der VOLEX Technologie hat EREMA zur K 2025 einen neuen Maßstab bei der Entgasung von Post-Consumer-Strömen gesetzt. Auf Basis der Erfahrungen aus der Markteinführung wurde die Technologie seither unter praxisnahen Bedingungen weiterentwickelt: Dank gezielter Optimierungen der Schneckengeometrie lassen sich mit dem Verfahren Entgasungsleistungen erzielen, die bislang nur mit einer größeren Maschinenausführung möglich waren. Das jüngste Technologie-Update ermöglicht den Einsatz von VOLEX sowohl mit als auch ohne Waterstripping, wobei die optionale Wassereinspritzung zusätzliches Potenzial für sensible Anwendungen eröffnet.
„Dekontaminierungs- und Deodorisierungseffekte, die im Vergleich zu Standardsystemen am Markt nur über eine mehrstündige thermische Nachbehandlung der Pellets erreichbar sind, können dank VOLEX bereits direkt während des Extrusionsprozesses realisiert werden. Dadurch sinken die Energie- und Betriebskosten für Recyclingbetriebe“, erklärt Markus Huber-Lindinger, Managing Director bei EREMA. „Durch die starke Oberflächenvergrößerung der Schmelze kombiniert mit der TVEplus® Technologie entsteht ein optimales Verhältnis von Entgasungsleistung und thermomechanischer Beanspruchung des Input-Materials“, so Huber-Lindinger weiter.
Gemeinsam mit Kunden und Partnern arbeitet EREMA daran, den Prozess gezielt für konkrete Einsatzbereiche zu optimieren. Relevant sind insbesondere Anwendungen mit hohen Qualitätsanforderungen, bei denen Geruch eine Rolle spielt, die jedoch keine Food- oder Cosmetic-Grade-Standards erfordern. Dazu zählen etwa Komponenten für den Automobil‑Innenbereich wie Kabelkanäle oder Verpackungen für Haushaltschemikalien, beispielsweise Flaschen für Haushaltsreiniger. Letztere würden mit Hinblick auf die EU-Verpackungsverordnung eine Rolle spielen, betont Clemens Kitzberger, Business Development Manager bei der EREMA Gruppe: „Viele Unternehmen beschäftigen sich bislang nur am Rande mit der Frage, welche Produkte künftig unter die Vorgaben der PPWR fallen werden. Bei EREMA sind wir darauf vorbereitet, die dafür erforderliche hohe Entgasungsleistung für Anwendungen im medium-sensitive Bereich wirtschaftlich bereitzustellen.“
Die VOLEX Technologie wurde als Finalist in der Kategorie „Recycling Machinery Innovation“ bei den Plastics Recycling Awards Europe 2026 nominiert. Die Gewinner werden bei der Preisverleihung am 6. Mai bekanntgegeben.
Food-Grade bei Polyolefinen: Nächste Stufe für Novel Technology erreicht
Parallel zur technologischen Weiterentwicklung zeigt EREMA gemeinsam mit Joint‑Venture‑
Partner Lindner Washtech und dem irischen Recyclingunternehmen Polymer Matters zur PRSE bedeutende Fortschritte im Food‑Grade‑Recycling von Polyolefinen. Im Novel‑Technology‑
Verfahren der Europäischen Kommission hat das gemeinsame Projekt, bei dem PCR aus HDPE-Milchflaschen wieder ebendiesem Kreislauf zugeführt wird, die nächste Stufe erreicht.
„Um in Europa lebensmitteltaugliches rHDPE herstellen zu dürfen, muss das Recyclingverfahren gemäß EU‑Verordnung 2022/1616 zugelassen werden. Der Advanced Novel Technology-Status markiert einen wichtigen Meilenstein und zeigt, dass mechanisches Recycling auch bei Polyolefinen lebensmitteltaugliche Rezyklate wirtschaftlich und im industriellen Maßstab ermöglichen kann“, so Kitzberger. „Bedeutend ist, dass es sich hier nicht um ein Closed‑Loop‑
System, sondern um Inputmaterial aus gemischten Haushaltssammlungen handelt.“
Entscheidend für solche Fortschritte ist ein tiefes Verständnis der gesamten Prozesskette – von der Auswahl und Aufbereitung des Inputmaterials bis hin zur Extrusion und Dekontaminierung. Ein spezialisiertes Food‑Grade‑Team aus Marktexperten und erfahrenen Chemikern überführt die jeweiligen Anforderungen in geeignete Konzepte. Validierte Challenge‑Tests sowie interne und externe Laborprüfungen schaffen die Basis für belastbare Materialbewertungen. Die Erfahrung aus zahlreichen Projekten fließt zudem in die strukturierte Begleitung von Zulassungsverfahren ein, bei denen reproduzierbare Ergebnisse und eine saubere Dokumentation zentrale Voraussetzungen sind. Darüber hinaus unterstützt der enge Austausch mit Branchenorganisationen wie Plastics Recyclers Europe (PRE) die Weiterentwicklung.
Hohe Regranulatqualität entsteht im Zusammenspiel der Prozesse
Hohe Regranulatqualität und stabile Prozesseffizienz im Post‑Consumer‑Recycling setzen voraus, dass alle Schritte der Gesamtanlage von Beginn an aufeinander abgestimmt sind. Genau hier setzt die enge Zusammenarbeit von EREMA und Lindner Washtech an: Aufbereitung, Waschen und Extrusion werden nicht als einzelne Prozessstufen, sondern als durchgängiger Gesamtprozess ausgelegt.
Die Entwicklungen umfassen mehrere zentrale Aspekte, von der Prozessstabilität über die Energieeffizienz bis hin zur Anlagenvernetzung. Ein zentraler Hebel ist der Datenaustausch entlang der gesamten Prozesskette. Über ein gemeinsam entwickeltes HMI werden relevante Prozessdaten aus Aufbereitung, Waschlinie, Extruder und nachgelagerten Prozessschritten in einer strukturierten Übersicht zusammengeführt. Diese Transparenz ermöglicht es, Prozesse gezielt zu optimieren und die Gesamtanlage durchsatzorientiert auszulegen.
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