30.12.2020
Arpema Plásticos - - - - Mexiko
Mit Technologie­vorsprung in der Recycling-Branche punkten – Arpema Plásticos
Arpema Plásticos, Mexico

Während die Nachfrage nach Regranulaten kontinuierlich steigt, sind gleichzeitig saubere Post Industrial Kunststoffabfälle immer schwerer zu bekommen. Bei Arpema Plásticos setzt man auf eine zentrale Unternehmensstrategie: technische Lösungen, um auch Kunststoffabfälle mit einem erhöhten komplexeren Störstoffgehalt zu hochwertigen Pellets verarbeiten zu können. So wurde eine der bestehenden Recycling-Anlagen mit einem Laserfilter nachgerüstet. Diese Investition ermöglichte eine größere Bandbreite an Aufgabematerial und konnte somit die Produktionsmenge deutlich steigern.

Recycling ist in Mexiko zu einem Megatrend geworden. Statt wie bisher ihre Produktionsabfälle zu entsorgen, beginnen Kunststoffverarbeiter sie wieder in ihre eigene Produktion rückzuführen. Zusätzlich kaufen sie am Markt Kunststoffabfälle zu und setzen so einen gewaltigen Nachfragezyklus in Gang. Unternehmen, die ausschließlich Kunststoff-Recycling betreiben, stehen durch diese große Nachfrage vor der Herausforderung den notwendigen Vorrat an Inputmaterial anzusammeln. Da immer weniger saubere Kunststoffabfälle auf dem Markt verfügbar sind, müssen sie auf schwierig zu verarbeitendes Ausgangsmaterial als Rohstoff ausweichen.

Das mexikanische Unternehmen Arpema Plásticos verarbeitet industrielle Kunststoffabfälle und Produktionsausschüsse zu neuem Rohstoff. Durch den Einsatz von moderner Technologie gelang der entscheidende Schritt nach vorne - auch Inputmaterial mit hohem Störstoffanteil kann nun im Produktionsprozess wiederverwertet werden.
Mit derzeit drei in Lerma (Mexiko) angesiedelten Werken erzeugt das Unternehmen jährlich 12.000 Tonnen Regranulat. Insbesondere ist Arpema Plásticos auf die Erzeugung von Polypropylen mit unterschiedlicher Viskosität für Extrusion bis Spritzguss spezialisiert. Auch hoch- und niedrigdichtes Polyethylen für Spritzgieß- und Blasformanwendungen sowie Polystyrole (GPPS, MIPS, HIPS) gehören zum Produktportfolio.

Nach einer Besichtigung im Stammwerk von Arpema Plásticos traf Plastics Technology México den Geschäftsführer zum Gespräch. Pedro Arnauda skizziert dabei die Besonderheiten des kommerziellen Recyclings sowie Herausforderungen und Chancen dieser Branche. Auch eine Lösung liefert er: Investitionen in Technik. So war die jüngste Anschaffung einer Recycling-Linie mit einem hochtechnologischen Filtersystem ein Meilenstein für Arpema Plásticos. Auch die nächste Investition steht kurz bevor - so soll eine in Mexiko kaum bekannte Marktnische erschlossen werden und das Recyclingvolumen auf 18.000 Tonnen pro Jahr steigen.

TECHNIK STEHT AN ERSTER STELLE
Pedro Arnauda gründete Arpema Plásticos S.A. de C.V. im Jahr 2010, ist jedoch selbst schon länger in der Recycling-Branche tätig. Nach seinem Abschluss als Anwalt stieg er in die Rechtsabteilung eines Abfüllbetriebs ein, wo seine Neugier und sein Geschäftssinn für die Verwertung von Kunststoffabfällen geweckt wurden. „Ich beschloss, in die Verarbeitung von Kunststoffabfällen auf Basis von Produktionsausschüssen kunststoffverarbeitender Unternehmen einzusteigen. Dafür mietete ich eine kleine Werkshalle, kaufte eine gebrauchte Maschine und gründete ein Unternehmen“, fährt er fort.
Damals konzentrierte sich Arnauda vorwiegend auf die Verarbeitung von Etiketten und Getränkeflaschenverschlüssen aus Polypropylen. „Das Geschäft lief stabil. Wir hatten einen Kunden in den USA, der einen neuen Container Kunststoffabfälle anlieferte, sobald wir 20 Tonnen Polypropylen-Regranulat für den Versand nach Indien fertiggestellt hatten. Bald stand jedoch eine große Investition in eine neue Maschine an. Um an Kapital zu gelangen, kaufte ich mich in ein Importunternehmen ein, das nichts mit Kunststoffrecycling zu tun hatte. Die Geschäfte liefen nicht gut und ich zog den Schluss: Schuster, bleib bei deinen Leisten.“
Drei Jahre später bekam Arnauda einen Teil des Kapitals aus dem gescheiterten Importgeschäft zurück und gründete Arpema Plásticos mit einem Darlehen seines Vaters. Er entschied sich zuerst für die Neuanschaffung von Maschinen mit Basistechnologie aus Asien, die für den Beginn ausreichend waren. Bald wurde es jedoch notwendig, anspruchsvollere Maschinen zu erwerben. „Die Technik macht den Unterschied. Nur mit Spitzentechnologie schafft man den Einstieg in anspruchsvollere Industriezweige und steigert seinen Gewinn. Wir entschieden uns die Verwaltung zu verschlanken und konnten mit den erzielten Einsparungen unsere erste österreichische Maschine der Marke Erema anschaffen."
Arnauda sieht die Vorteile fortschrittlicher Technologie nicht nur in steigenden Produktionszahlen und besserer Qualität, sie ist für ihn auch der Schlüssel, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. „Bei einem Besuch in unserem Werk sehen potentielle Kunden unsere Technologie und gewinnen einen positiven Eindruck. Das spielt eine entscheidende Rolle, denn in den meisten Fällen gelingt es uns, die Geschäftsbeziehung mit diesen Kunden zu vertiefen. Vor allem in der Recycling-Branche sind die Aussichten auf Erfolg größer, wenn es einem Unternehmen gelingt, das Vertrauen seines Kunden zu gewinnen“, betont er.
Arpema nahm Ende 2011 seine erste Recyclinganlage von Erema in Betrieb, das anschließend stark steigende Produktionsvolumen erforderte bald die Anschaffung von zwei weiteren Anlagen. Die jüngste, vor neun Monaten erworbene Intarema-Anlage mit integriertem Laserfilter von Erema bietet Arpema nun vollkommen neue Möglichkeiten: auch hochgradig mit Papier, Holz oder Zellulose verunreinigtes Kunststoffmaterial ist nun bei der Verarbeitung kein Problem. Der Laserfilter ist eine lasergebohrte Siebscheibe in einem selbstreinigenden System.
„Ohne Filter können wir nur sauberes Inputmaterial verarbeiten. Mit Filter ist auch anspruchsvolleres Material möglich und wir können Kunststoffabfälle aus schmutzigeren Industriebereichen verarbeiten", erklärt Arnauda. In einer herkömmlichen Recycling-Anlage lagern sich feste Partikel oder Verunreinigungen der Schmelze am Filter ab und beeinträchtigen damit die Produktqualität. Der Laserfilter hingegen reinigt sich selbst, sobald sich die ersten Ablagerungen bilden. Die Produktion läuft einfach weiter und liefert ein gutes Ergebnis, wie Arnauda bestätigt.
Derzeit sind im Unternehmen drei Recycling-Anlagen im Einsatz. „Jede Maschine ist auf die Verarbeitung eines bestimmten Materials spezialisiert. Ein Recyclingunternehmen auf der Suche nach der perfekten Allzweck-Maschine für jede Anwendung wird mit diesem Anspruch scheitern. Besser ist, das verfügbare Material genau zu untersuchen und jede Maschine für eine oder maximal zwei Sorten zu optimieren. Bei uns läuft eine Anlage für unbedrucktes Material, eine zweite mit Entgasung für stark bedrucktes Material und die Maschine mit dem Laserfilter für verunreinigtes Material“, erklärt er.

FORTSCHRITT IM RECYCLINGWESEN
Bei Arpema wird als Rohstoff der Produktionsausschuss aus unterschiedlichsten Branchen eingesetzt. Der Erfolgt liegt laut Arnauda darin, die richtigen Rohstofflieferanten mit konsistenter Materialqualität zu finden. „Von unseren Lieferanten bekommen wir kontrollierte Abfälle aus dem Produktionsprozess“, erklärt er. Sogar Hochtechnologiebranchen wie Automotive fragen verstärkt Regranulate nach, was den Markt für Arpema enorm vergrößert. Gleichzeitig führt es dazu, dass die Verarbeiter ihre Produktionsausschüsse selbst als Inputmaterial verwenden und es zunehmend schwieriger wird, nicht übermäßig verschmutztes Ausgangsmaterial für die Regranulierung zu bekommen.
„Es wird immer schwieriger gute Kunststoffabfälle zu bekommen. Sobald Kunststoffverarbeiter beginnen, ihre Entsorgungsprozesse zu optimieren, wollen sie den Produktionsausschuss nicht entsorgen, sondern selbst verwerten. Dürfen die Kunststoffabfälle aufgrund von Vorschriften nicht als Inputmaterial im Produktionsprozess verwendet werden, beginnen sie Nebenerzeugnisse zu fertigen und weiteres Material am Markt zuzukaufen. Der so entstehende Recycling-Kreislauf ist vorbildlich, doch der Materialengpass macht uns Recyclingunternehmen trotz der steigenden Regranulat-Nachfrage die Arbeit schwer“, fügt er hinzu.
Laut Arnauda ist die mangelnde Materialverfügbarkeit generell ein gravierendes Problem. „In der Recycling-Branche greift man nicht einfach zum Hörer und ruft einen Container Kunststoffabfall für die Produktion ab. Da heißt es abwarten, bis Produktionsabfälle, -ausschüsse oder Wertstoffe anfallen, und genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben, um im entscheidenden Moment zuzuschlagen. In anderen Branchen geht die Lagerhaltung tendenziell zurück, aber in der Recyclingindustrie ist man ohne entsprechende Vorräte verloren und kämpft mit Engpässen.“
Und die Lösung? Arnauda sieht die Lösung in Technologie, mit der auch anspruchsvolle Kunststoffabfälle zu einer Qualität verarbeitet werden können, wie sie sonst nur mit sauberem Ausgangsmaterial möglich ist. Aus diesem Grund entschied er sich auch für den Laserfilter.
Damit lassen sich auch Abfälle aus dem Post Consumer Bereich, z.B. Palettenverpackungen, verarbeiten. Diese Stretchfolien mit Barcode-Aufklebern konnten zuvor nicht von Arpema verarbeitet werden. „Ohne Laserfilter müsste eine Armee von Arbeitern jede Etikette einzeln abziehen. Jetzt können wir die Maschine direkt mit diesen Abfällen beschicken und Pellets für Tragetaschen und Rohrleitungen produzieren“, erklärt er. Auch bestimmte zellulosehaltige Vliesstoffe können nun im Gegensatz zu früher ebenfalls verarbeitet werden. In herkömmlichen Maschinen werden die Filter und Siebe durch Störstoffe blockiert, die beim Einschmelzen des Materials aus der Zellulose entstehen. „Mit dem Laserfilter ist es nun möglich, auch dieses Material zu verarbeiten“, ergänzt Arnauda.

HOHE NACHFRAGE
Der Arpema Plásticos Geschäftsführer sieht die Herausforderungen der Recycling-Branche nicht in der Nachfrage, sondern in der Verfügbarkeit von recyclingfähigem Inputmaterial und der Herstellung konstanter Produktqualität. „Kommt aus der Produktion sauberes, einwandfrei verarbeitetes Granulat, ist der Verkauf ein Kinderspiel“, verdeutlicht er.
Laut Arnauda gibt es aber auch für Regranulat noch Luft nach oben. Obwohl der Einsatz von Recycling-Material möglich wäre, bevorzugen viele Unternehmen nach wie vor neues Ausgangsmaterial aufgrund von Vorbehalten hinsichtlich möglicher Materialprobleme bzw. Qualitätsschwankungen. Die gute Entwicklung bei Arpema führt Arnauda unter anderem darauf zurück, dass der Kunde das produzierte Material genau rückverfolgen kann.

„Wir haben ein eigenes Labor und erstellen für jede Charge technische Datenblätter. Unsere Produkte vermitteln Sicherheit und damit konnten wir in Märkte vordringen und Kunden gewinnen, für die Regranulat bisher kein Thema war. Was wir verkaufen, funktioniert, darauf können sich unsere Kunden verlassen - ein entscheidender Faktor im Recycling-Geschäft“, versichert er.
Die Kunden von Arpema Plásticos sind renommierte Unternehmen und rohstoffintensive Betriebe, die aus sozialer Verantwortung, Umweltschutzgedanken und Einsparungsüberlegungen eine bewusste Entscheidung für Regranulat treffen. Die bei Arpema produzierten Pellets gehen in die Automobil- und Verpackungsindustrie, werden bei Rotationsformen verwendet und zu Kunststoffboxen und -paletten für die Getränkeindustrie verarbeitet. Unter anderem werden sie auch für die Herstellung von Pack- und Umreifungsbändern verwendet.
Der Großteil der Kunden sitzt in Mexiko, exportiert wird nach Guatemala und in die USA. „Mittlerweile ist die Inlandsnachfrage so groß, dass wir unser gesamtes Produktionsvolumen in Mexiko verkaufen könnten. Aus strategischen Gründen geht jedoch ein Teil in den Export.“

DIE ZUKUNFT
Bei Arpema Plásticos steht in nächster Zukunft ein weiterer Betriebsausbau an, gleichzeitig werden die drei bestehenden Werke in der neuen 15.000 m² großen Halle in Lerma (Mexiko) zusammengelegt.
Angesichts der immer geringeren Verfügbarkeit von Kunststoffabfällen steigt das Unternehmen außerdem in das Recycling von Agrarabfällen ein - ein junger, weniger umkämpfter Markt. „Das Recycling landwirtschaftlicher Abfälle wirft viele technische Fragen auf, im Hinblick auf Düngemittel und andere Bodenverunreinigungen. Wir befassen uns seit vier Jahren intensiv mit dieser Thematik, gemeinsam mit kompetenten Fachleuten, die Erfahrung mit der Aufbereitung dieser Art von Abfällen haben. Dazu gehört beispielsweise Ingenieur Sergio Beutelspacher, ein anerkannter Experte in dieser Branche“, erläutert Arnauda und plant, das Projekt noch heuer zu finalisieren. „Wir werden weiterhin Geld für Technologie in die Hand nehmen und halten das für den richtigen Schritt“, betont Arnauda.

Zitat
Ohne Laserfilter müsste eine Armee von Arbeitern jede Etikette einzeln abziehen. Jetzt können wir die Maschine direkt mit diesen Abfällen beschicken und Pellets für Tragetaschen und Rohrleitungen produzieren.
Zitat

Pedro Arnauda

Geschäftsführer und Gründer von Arpema Plásticos

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